Mit Medien leben und lernen an der Realschule I

 

Die Jugend von heute chattet, gruschelt oder twittert, Freunde findet man per Mausklick. Lockere Sprüche, persönliche Daten, Fotos oder Filme sind sekundenschnell im Internet. Eine gute Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren, was an Handy und Internet so fesselt, gab es am Dienstagabend letzter Woche in der neuen Mensa der Realschule I.

 

  

"Jetzt wissen Sie, wo Ihre GEZ-Gebühren bleiben" eröffnete die Medienpädagogin und Fachreferentin Sabine Schattenfroh den Informationsabend über Chancen und Risiken von "Handy und Internet". Die Initiative Eltern+Medien der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) hatte die Kosten übernommen.

  

  

Laut JIM-Studie 2009 (Jugend, Information, Multimedia) sind heute Computer (100 %), Handy (100%) und Internet (98 %) in allen Haushalten, in denen 12- bis 19-Jährige aufwachsen, vorhanden. Mehr als jeder Zweite kann vom eigenen Zimmer aus online gehen. Zu den Nutzern des Internets zählen 98 Prozent der 12- bis 19-Jährigen, (...). Der Anteil der Intensivnutzer, die täglich bzw. mehrmals pro Woche online sind, (...) liegt aktuell bei 90 Prozent.

  

  

Das moderne Internet ist ein Mitmachmedium, auch Web 2.0 genannt. Die Referentin veranschaulichte an aktuellen Beispielen, was Kinder alles mit dem Handy machen können und in welchem Ausmaß das geschieht. Gewalthaltige, rechtsradikale oder obszöne Darstellungen machen dort auch keinen Halt vor Minderjährigen. Das Netz vergisst nichts, eine Löschung ist kaum oder nur mit hohem Aufwand möglich.

  

Im Verlauf des Abends gab es zahlreiche Ratschläge zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Angeboten des "Mitmach-Web". Vertrauensvolle Absprachen über die inhaltliche und zeitliche Nutzung erhöhen die notwendige Transparenz, nicht zuletzt auch angesichts versteckter Kostenfallen. Diese Tips ergänzten Links zum sicheren beziehungsweise altersgerechten Surfen und Adressen von Beratungseinrichtungen, auch auf einem Infoblatt oder hier als PDF-Dokument:

  

Internet und Handy

  

Das Fragebedürfnis der Eltern war am Schluss sehr hoch, werden doch viele Weichen zur Mediennutzung bereits in der Familie gestellt. Die Kinder sind den Erwachsenen durch größere Technikbeherrschung oft mehr als einen Schritt voraus. Eine häufig als exzessiv empfundene Mediennutzung steigert das familiäre Konfliktpotenzial unter Umständen erheblich. Ein „Patentrezept“ für die Nutzung von Internet und Handy konnte auch die Medienpädagogin nicht verraten, aber zumindest empfehlen: "Miteinander sprechen, anlassbezogen gemeinsam surfen oder chatten, sich mit Fragen oder bei Problemen an Eltern oder Lehrkräfte wenden, in Fällen strafrechtlicher Bedeutung auch an entsprechende Beratungsstellen".

  

  

Die sehr gut besuchte Abendveranstaltung vom 15. Juni reiht sich ein in die Konzeptentwicklung der Realschule I zur kritischen Mediennutzung und -erziehung. Ein "Startschuss" fiel im November 2009 durch Initiative des Fördervereins der Realschule I, der Frau Schattenfroh für eine Abendveranstaltung mit Eltern und ergänzendem medienpädagogischen Unterricht in allen 6. Klassen engagierte. Die Honorarkosten wurden vom Förderverein und der Stadt Detmold übernommen. Im Februar befasste sich eine eintägige Lehrerfortbildung mit "Medienkompetenz und Medienpädagogik in einer sich wandelnden Welt", ebenfalls unter Beteiligung der Referentin.

  

Die beiden Elterninformationsabende, die Arbeit in den Klassen und die Lehrerfortbildung konnten oder können nicht "alle" Fragen beantworten. Die rasch fortschreitende Entwicklung wirft zudem neue Fragen auf. Geplant sind daher weitere Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen. Das Schlichterteam der RS I wird zum Beispiel "Mobbing per Handy und Internet" in sein Trainingsseminar zu Beginn des neuen Schuljahres einbinden, voraussichtlich wieder in der bereits bewährten Kooperation mit Frau Schattenfroh. Die Realschule I macht mit im Mitmach-Web.

  

Mehr Informationen im Netz zu "Internet und Handy":

http://www.medienkompetenz-nrw.de/medienkompetenz/elternundmedien/internetundhandy.htm

G.G./W.S./Juni 2010