HAU AB!

 

   

   

   
Anti-Gewalt-Training an der Realschule I

 

Neuntklässler stark im Konflikt

 

Wie gehe ich mit verbalen und körperlichen Angriffen auf meine Person um? Was signalisieren meine Körperhaltung, Mimik und Stimme? Wie entziehe ich mich einer bedrohlichen Situation?
   

Eine Antwort auf diese Frage könnte sein :Üben! Zum Beispiel beim Anti-Gewalttraining des Projektes „Stark im Konflikt“, initiiert von den beiden Theaterregisseuren Simon Steimel und Tina Menschner.
   

Hier werden in Rollenspielen konkrete Konfliktsituationen durchgespielt und Strategien, wie man sich einem möglichen Konflikt entziehen kann, eingeübt.

   

   

Steimel gibt die Situation vor. Er spielt mit Dennis eine Situation, in der er eine Schlägerei provozieren will. Sie gehen aneinander vorbei, Steimel rempelt Dennis an. Er verhält sich zunächst wie ein potenzielles Opfer, denn er bleibt stehen und sieht den „Angreifer“ an. 
   
„Ganz falsch“, erklärt Steimel. „Indem du stehen bleibst und ihn ansiehst, reagierst du auf ihn und er kann dich angreifen. Geh einfach weiter und sag am besten noch „Entschuldigung“, das entschärft die Situation.“
  

Sie spielen die Situation noch einmal durch, diesmal geht Dennis souverän weiter, den Blick selbstbewusst nach vorn gerichtet und sagt ruhig „Entschuldigung“. Schon ist er verschwunden, es ist keine brenzlige Situation entstanden. Dennis bekommt seinen verdienten Applaus.

   

  
Auch bei Beleidigungen ist es wichtig, weiß Steimel, nicht darauf einzugehen, nicht zu zeigen, dass man „getroffen“ wurde. So kann die Provokation im Keim erstickt werden.

Steimel gibt auch hier Situationen vor und zeigt den Schülern, wie die Attacke im Keim erstickt werden kann:

   
„Du stinkst!“ beleidigt Anil Florian. Dieser antwortet: „Danke für den Hinweis.“ Damit hat er die Situation entschärft. Seine Gelassenheit lässt den Angreifer ins Leere laufen.

„Du bist ja schwul!“ sagt Sebastian zu Mathias. „Meinst du?“(Mathias) „ Ja, mein’ ich“ (Sebastian). „Dann mein mal“, pariert Mathias. Während er dies sagt, schaut er auf den Boden und hat die Schultern heruntergezogen. Auch die Arme sind etwas vor dem Körper verkrampft. „Das wirkt irgendwie unsicher“, bemerken die Mitschüler.

   
Mit einer schlagfertigen Antwort allein ist es also noch nicht getan. Die richtige Körperhaltung und Körpersprache beeinflusst extrem die Glaubwürdigkeit. Das heißt, durch die falsche Körperhaltung verliert die „coole“ Antwort ihre Wirkung.

   
„Arme herunterhängen lassen, Kopf gerade und nicht auf den Boden schauen, das wirkt ängstlich“, erklärt Steimel den Schülern.
   

   

„Wir können den Jugendlichen Hilfestellungen geben, Konflikte zu vermeiden und kein leichtes Opfer zu werden. Das ist nämlich die andere Seite. Während bei Provokation Gelassenheit das Zauberwort ist, hilft es bei deutlicher Gewaltandrohung nicht, nichts zu tun. Je eher wir reagieren, desto besser“, erklärt Steimel den Schülern.
   

   

Um dies zu demonstrieren, holt er sich Ella nach vorn und spielt mit ihr eine Szene, die viele Frauen schon erlebt haben. Steimel will sich im Bus neben Ella setzen, obwohl noch einige andere Plätze frei sind. Sie rutscht freundlich zur Seite und er beginnt, sie anzugaffen und später auch anzufassen. Sie äußerst anfangs nur sehr leise ihr Unbehagen.

    
„Du hättest den Platz nicht freimachen müssen“, analysiert Steimel anschließend. „Guck ihn ruhig genervt an“, erklärt er und betont dabei „ wirklich genervt, nicht freundlich. Spätestens wenn er dich anfasst, musst du ihm laut und unmissverständlich klar machen: ‚Fass mich nicht an!!“

   
Bei seiner Arbeit hat der Theaterregisseur immer wieder festgestellt, das Mädchen das Abwehren von unerwünschten Berührungen besonders schwer fällt. Viele Jungen haben ebenfalls Probleme, ein unmissverständliches Abwehrverhalten zu äußern. Deshalb trainieren sie mit Steimel ein lautes „HAU AB“. Schon mit unerwarteter Lautstärke kann man Angreifer in die Flucht schlagen.

    

   

Ziel des Trainings war es, den Aufbau bzw. die Verstärkung von positiver Körpersprache, Einfühlungsvermögen, Selbstbewusstsein und Zivilcourage zu üben. Diesem Ziel sind viele Schülerinnen und Schüler jetzt einen Schritt näher gekommen. Sie haben:

  
- gegenseitig auf ihre Körperhaltung geachtet
- sich korrigiert und geholfen
- sich nach gelungener Leistung applaudiert.
   
Alle fühlten sich am Schluss der Veranstaltung ein gutes Stück weit besser auf gefährliche Situationen vorbereitet - dank Simon Steimel, der sehr professionell und schülernah agierte.

   

   

DANKE FÜR DEN HINWEIS